Bauhaus-Universitšt Weimar setzt Schlierenverfahren zur Untersuchung des Raumklimas ein

Das Klima- und Strömungslabor der Professur Bauphysik ist seit Januar 2018 um eine Innovation reicher: Mit Inbetriebnahme eines europaweit einzigartigen Großschlieren-Systems können zukünftig Raumluftströmungen gemessen und visualisiert werden. Ziel ist die Entwicklung energieeffizienter und behaglicher Wohn- und Arbeitsräume.

Mithilfe des Schlierenverfahrens werden kleinste Luftströmungen sichtbar, hier demonstriert mit zwei Feuerzeugen. Amayu Wakoya Gena, DAAD-Stipendiat Professur Bauphysik

Welchen Einfluss hat das Raumklima auf die Menschen? Und wie könnte ein optimiertes Heiz- und Belüftungssystem der Zukunft aussehen? Diesen Fragen geht das internationale Forschungsteam um Prof. Conrad Völker, Leiter der Professur Bauphysik, mit einem neuen Messverfahren auf den Grund: »Mit dem sogenannten Schlierenverfahren werden kleinste Luftströmungen der Raumluft sichtbar«, erläutert Prof. Völker. Das Prinzip sei ähnlich wie bei einer überhitzten Straße im Sommer, wenn die Luft über dem Asphalt flimmert. »Mit dem Unterschied, dass man die Schlieren, auf die es uns ankommt, aufgrund der geringen Temperaturunterschiede mit bloßem Auge nicht sehen kann«, fährt er fort. Mithilfe des Messverfahrens lassen sich ab sofort präzise Rückschlüsse auf vorhandene Luftströmungen im Raum und folglich auf das Wohlbefinden eines Menschen ziehen.

Rund 400.000 Euro investierte der Freistaat Thüringen in den Schlierenspiegel der Bauhaus-Universität Weimar, dessen Wirksamkeit am 30. Januar 2018 eindrucksvoll von Architektur-Student Dustin Solga mithilfe von Fön, Feuerzeug und verschiedenen Gasen demonstriert wurde. Herzstück des Messgerätes ist ein konkaver und extrem fein geschliffener Spiegel mit rund einem Meter Durchmesser. Hinzu kommen eine LED-Lichtquelle, eine Schlierenkante sowie eine Kamera mit hoher Auflösung und einem Objektiv mit hoher Schärfeleistung.

»Mit der Inbetriebnahme des Schlierensystems wird das Klima- und Strömungslabor der Professur Bauphysik um ein Alleinstellungsmerkmal bereichert«, freut sich Dr. rer. nat. Kristina Schönherr, Leiterin des Dezernates Forschung. Zugleich stehe das neue Großgerät sinnbildlich für das Innovationspotenzial der Bauhaus-Universität Weimar, welche laut Schönherr »stets offen für Außergewöhnliches sei«.

Weltweit existieren derzeit vier Großschlieren-Systeme, welche jeweils in unterschiedlichen Forschungsbereichen eingesetzt werden. Thomas Möller, Mitarbeiter Professur Bauphysik

Hintergrund:
Weltweit existieren derzeit nur vier Großschlieren-Systeme, welche jeweils in unterschiedlichen Forschungsbereichen eingesetzt werden. In Weimar liegt der Fokus auf bauphysikalischen Messreihen. Kern der Untersuchungen ist die Simulation unterschiedlichster Klimaverhältnisse in einem abgeschlossenen, mit Sensorik ausgestattetem Raum, der sogenannten Klimakammer. Mithilfe des thermischen Manikins »Feelix« (von engl. »feel«, fühlen), einer Puppe mit unter der Hautoberfläche verlaufenden Heizdrähten, simulieren die Forscher eine dem Menschen ähnliche Hauttemperatur und prüfen, wie sich diese bei wechselnder Raumklimatisierung verändert. Das Schlierenverfahren kommt hierbei ergänzend zum Particle-Streak-Tracking-Verfahren (PST) sowie thermografischen Untersuchen mittels Wärmebildkamera zum Einsatz.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Conrad Völker
Bauhaus-Universität Weimar
Professur Bauphysik
Tel.: 49 (0) 36 43 58/47 01
E-Mail: conrad.voelker[at]uni-weimar.de


Weitere Informationen:

http://bit.ly/2nvVZ9a

05.02.2018


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